AdventsZeit 2021

Entertainer Guido Cantz (50) steht seit 30 Jahren auf der Bühne. Am 18. Dezember ist der TV-Star zum letzten Mal in der Erfolgsshow „Verstehen Sie Spaß?“ zu sehen. Martin Mölder hat den überzeugten Katholiken in „seiner Kirche“, St. Aegidius in Köln-Porz-Wahn, getroffen. Herr Cantz, Ihre Abschiedssendung wurde bereits im Oktober aufgezeichnet. Jetzt haben Sie Zeit für Ihren Aufbruch. Heißt das nicht nur etwas Neues, sondern auch weniger beruflich zu machen? Ja, das ist sicherlich auch ein Wunsch. Wobei ich jetzt schon gemerkt habe, dass nach dieser ganzen Corona-Zeit mein Kalender im September wieder genauso voll war wie vorher. Und das ist eigentlich das, was mir gar nicht so gefallen hat, weil dieses Hetzen von A nach B einfach auch nicht gut ist und guttut. Und das merke ich jetzt mit 50 mehr als früher – auch wenn ich mich nicht unbedingt wie 50 fühle. Aber auch ich werde eben nicht jünger, und es braucht alles sehr viel Energie, wenn man auf einer Bühne steht oder vor der Kamera. Gibt es schon neue berufliche Pläne? Es gibt noch nichts Neues. Als ich 2009 erfahren habe, dass ich „Verste- hen Sie Spaß?“ moderieren werde, habe ich das ja am Anfang gar nicht geglaubt. Ich hatte mich selber ins Gespräch gebracht und gesagt, ich würde es machen, wenn der Elstner aufhört. Dann ist es dazu gekommen, und nun bin ich derjenige, der diese Sendung von allen am längsten moderiert hat. Und jetzt ist das Gefühl da, dass noch mal was Neues kommen kann. Ich hatte viel Glück in meinem Leben, weil ich immer das beruflich machen durf- te, was mir Spaß gemacht hat. Das ist ein Privileg und kann nicht jeder von sich behaupten. Und wenn morgen „Das aktuelle Sportstudio“ anrufen würde? Die dürfen gerne anrufen. Das würde ich gerne machen. Sport hat mich mein ganzes Leben begleitet. Ich habe immer Fußball gespielt, später Ten- nis, fahre Ski und bin Marathon gelaufen. Ich habe diesen Ausgleich zum „Der da oben hat mir Zeichen gegeben“ oft stressigen Beruf gebraucht. Und ich kenne mich, glaube ich, ganz gut aus. Deshalb: Ja. Die Moderation vom „Aktuellen Sportstudio“ kann ich mir gut vorstellen (lacht). Wie verbringen Sie in der Familie die Adventszeit? Wir haben zwei Adventskränze. Der eine gefällt mir besser, der andere meiner Frau. Wir schmü- cken das Haus, und früher gab es in meiner Familie an jedem Sonntag im Advent Hausmusik. Mutter am Klavier,Vater hat Geige gespielt und mein Bruder und ich C- und F-Flöte. So haben wir auchWeihnachtsgeschenke für die Omas aufgenommen, damals noch mit dem Kassettenrekor- der. Ich erinnere mich an eineAufnahme, wo ich mich kurz vor Schluss verspielt und dann auch noch „Scheiße“ gesagt habe. Da mussten wird dann leider Gottes alles noch mal von vorn spielen und aufnehmen. Sie sind mit neun Jahren Messdiener geworden und acht Jahre geblieben. Inwiefern hat Sie das geprägt? Ich bin auch als Kind schon sehr gerne in die Kirche gegangen. Natür- lich gab es schon mal Predigten, die ich zu lang und eher langweilig fand, aber als Messdiener hatte ich immer etwas zu tun und konnte auch während der Predigt überlegen, was als Nächstes kommt und getan werden muss. Ich fand vor allem den Zusammenhalt unter uns Messdienern toll, mir hat das gut gefallen. Deshalb bin ich auch so lange dabeigeblieben. Ihr Sohn Paul ist auch Messdiener geworden. Freuen Sie sich, wenn Sie ihn hier in St. Aegidius am Altar sehen? Ich finde das ganz großartig.Meine Frau ist auch Katechetin hier, und Pauls ältere Cou- sinen dienen auch. Das ist ja heute ganz anders als bei uns früher. Damals gab es den Aushang, und da stand dann eben Cantz 1, das war mein großer Bruder Jochen, oder Cantz 2, das war ich, und dann das jeweilige Datum dahinter, an dem wir Dienst hatten. Heute haben die Messdiener Doodle- Listen, wo jeder eintragen darf, wann er die Messe dienen kann, und so die Möglichkeit hat, seinen Wunschtermin anzugeben. Sie gehen gerne in Kirchen, auch wenn Sie auf Tournee sind. Warum? Für mich sind Kirchen Orte der Ruhe, Orte, an denen ich wirklich innehal- ten und bei mir sein kann, selbst wenn das, wie auf Tournee, oft auch nur kurze Momente sind. Ich zünde immer eine Kerze an und spreche ein kleines Gebet und merke, wie mir das jedes Mal neue Kraft gibt. Und dann sind Kirchen natürlich nicht nur spirituell, sondern auch architekto- nisch besondere Orte. Sie haben mal gesagt: „Ich habe das Gefühl, dass meine Gebete nicht ins Leere laufen.“ Was gibt Ihnen dieses Gefühl? Ich glaube einfach, dass jemand auf mich aufpasst, und das spüre ich auch im Gebet. Außerdem glaube ich, dass es für einiges, ich würde sogar sagen, das meiste in meinem Leben, einen Grund gibt. „Der da oben“ hat mir immer wieder Zeichen gegeben, um mir zu sagen, denk mal über diesenWeg nach oder jenen, mach das vielleicht mal so oder anders. Ich bin davon überzeugt, dass es keine Zufälle waren, die mich meinen Weg haben gehen lassen. Ganz sicher nicht. Heißt das auch, dass jeder Mensch hier seinen Platz hat und seine Aufgabe? Ja, ich habe das Gefühl, dass viele Menschen eine gewisse Aufgabe haben, und ich glaube, meine Aufgabe ist es, Leute mit guter Laune irgendwie anzustecken und zu unterhalten und sie vielleicht eine gewisse Zeit lang von ihrem Alltag ein bisschen abzulenken. www.mehr-auszeit.de 12 13 www.mehr-auszeit.de

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