SommerZeit 2020

Rat, wo man einen Frauenarzt oder eine Hebamme findet“, sagt Anke Hirsch, Referentin für die esperanza-Schwangerschaftsberatung beim Diözesan-Caritas- verband in Köln. Hilfe für Frauen aus aller Welt „Esperanza war schon immer ein Seismograf für gesellschaftliche Problemlagen oder Phänomene. Mit der Flüchtlingsbewegung 2015 und 2016 stieg zum Bei- spiel auch der Anteil von Frauen mit Fluchthintergrund“, so Hirsch. Wenn heute immer mehr Väter Elternzeit nehmen und statistisch mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, dann ist das auch in den Beratungsstellen abzulesen: 2018 zum Bei- spiel holten sich 512 werdende Väter mindestens einen Beratungstermin, 2005 waren es erst 240 Männer. Vor einigen Jahren, erzählt Anke Hirsch, beobachteten die Beraterinnen, dass immer häufiger Frauen – häufig aus afrikanischen Staaten – mit körperlichen und seelischen Schmerzen zu ihnen kamen, sich aber nicht trauten, über den wahren Grund für ihr Leiden zu sprechen: „Es dauerte, bis die wirklichen Gründe zur Sprache kamen: eine weibliche Genitalverstümme- lung.“ Gemeinsam mit dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Köln startete der Diözesan-Caritasverband daraufhin ein Projekt, das Berate- rinnen buchstäblich sprachfähig machen soll: Ihnen sollenWege aufgezeigt werden, das Thema anzusprechen. Viel Fingerspitzengefühl sei dabei nötig, sagt Hirsch. „Durch empathisches und aktives Nachfragen kommt man in einen Dialog, in dem man Informationen und Zugang zu weiteren Hilfen ver- mitteln kann.“ Die esperanza-Welt, sagt Hirsch, sei ständig imWandel und rea- giere auf aktuelle Nöte. So begleiten Beraterinnen und Berater Frauen, die anonym oder vertraulich ihr Kind zur Welt bringen wollen. Ebenso werden Kurse angeboten, in denen die Erziehungskompetenzen von Eltern gestärkt werden. Und esperanza ist auch noch weit nach der Geburt für Eltern da: Bis zum drit- ten Lebensjahr eines Kindes helfen die Beratungsstellen zwischenWuppertal und Bonn, zwischen Euskirchen und Gummersbach den Familien. In Düsseldorf hat Katharina Henkel inzwischen drei Beratungster- mine in Anspruch genommen. „Es ging auch um ein paar Forma- litäten, viel wichtiger war mir aber, endlich wieder ein positives Lebensgefühl zu bekommen.“ Esperanza habe ihr die Ängste genommen, erzählt sie. „Das ist besser als jede Medizin.“  Hilfe vor Ort Seit ihrer Gründung im Jahr 2000 hat die esperanza- Schwangerschaftsberatung im Erzbistum Köln knapp 185.000 Frauen und Männer beraten. Das Erzbistum Köln hat rund 50 Millionen Euro in den Fachdienst investiert und damit Tausenden Familien den Start mit Kind erleichtert. Sie sind schwanger oder seit Kurzem Mutter oder Vater und wissen nicht weiter? 36 esperanza-Beratungsstellen im Erzbis- tum Köln bieten ihre Hilfe an – vor Ort, telefonisch oder online. Alle Informationen: www.esperanza-online.de 39 www.mehr-auszeit.de

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