SommerZeit 2021

49 48 www.mehr-auszeit.de Z ugegeben, mein Reisetipp liegt nicht gerade um die Ecke. Aber es lohnt sich, die längere Anfahrt in die Südeifel in Kauf zu nehmen und in der Teufels- schlucht von Irrel in eine andere Welt einzutauchen. Enge Schluchten, steil aufragende Felstürme, riesige Felsbrocken faszinieren große und kleine Besucher. Die abenteuerliche Sandsteinlandschaft rund um die Teufelsschlucht, eine 28 Meter tiefe Felsspalte, die den Weg in eine einzigartige Landschaft erschließt, ist ein Ort für Abenteurer. Es bedarf keiner großen Fantasie, um sich vorzustellen, die bizarren Steinformationen seien verstei- nerte Wesen aus einer längst vergangenen Zeit. Die verschieden langen Wanderwege in der Teufelsschlucht führen über den Boden eines Meeres, das sich vor 190 Milli- onen Jahren hier erstreckte. Passend zum Erlebnis dieser Urwelt befindet sich in unmittel- barer Nähe der Schlucht ein Dinosaurierpark, der insbesondere jüngere Besucher in den Bann zieht. Wer sich für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs interessiert, kann im nahe gelegenen Irrel auf seine Kosten kommen. In einer der wenigen erhaltenen Befestigungsanlagen des sogenannten Westwalls, dem Panzerwerk „Katzenkopf“, ist ein Museum eingerichtet. Z wei Burgruinen und ein prächtiges Schloss: Die Ausbeute an Sehenswürdigkeiten entlang des Sagenwegs bei Lindlar ist enorm. Die massiven Bruchsteinmauern der Burg Eibach aus dem 14. Jahrhundert lassen erahnen, welche Bedeutung das Bauwerk einst hatte. Heute liegt es, märchenhaft bewachsen, an einem Teich auf privatem Grund des Gutshofs Eibach und ist nur von außen zu besichti- gen. Der 14 Kilometer lange, teils anspruchsvolle Rundwanderweg durch die Wälder Oberbergs führt weiter durch das Dörfchen Gimborn mit Schloss und 50er-Jahre-Charme, vorbei an den Ruinen der Burg Neuenberg hin zu einer Höhle, in der einst Zwerge gehaust haben sollen. Eine Zeitreise mit viel Wald, Wiesen und prächtigem Blick übers Bergische Land – in nur gut drei Stunden bietet der Sagenweg ein Rundum-Wohlfühl-Paket. Noch ist er ein echter Geheimtipp! Start ist auf demWander- parkplatz an der Carl-Haselbeck-Straße in Frielings- dorf (gegenüber Rewe-Markt). D rachenfels, Petersberg und Rhein – das ver- binden wohl die meisten mit dem Siebengebir- ge. Doch abseits voller Touristenrouten gibt es herrliche Wanderwege in der Region. Mein persönliches Highlight: die Kapellenwande- rung samt ihrer drei Schleifen. Mit 42 Kilome- tern ist die Gesamtrunde ausgehend von Königswinter-Heisterbacherrott durchs Pleiser Hügelland etwas für sportlich ambitionierte Wanderer. Wer nicht so viel Zeit oder Ausdauer hat, kann die Gegend auf drei Rundwegen von um die 13 Kilometern erkunden, hervorragend markiert und in beide Richtungen zu gehen. Spektakulär ist hier nichts! Gerade das aber öffnet mir unterwegs Augen, Herz und Ohren für die kleinen Wunder amWegesrand. Ich höre den Gesang der Vögel in der Hecke, stau- ne über die Schönheit eines frei stehenden Baumes und genieße den Blick in die Weite der Landschaft. Und dann sind da ja noch die Kapellen, zwölf an der Zahl, Zeugnisse von Glauben, Liebe und Hoffnung. Manche mit wechselvoller Geschichte, alle einen Besuch wert. Für den, der sich darauf einlässt, wird die Wanderung so zum Pilgerweg. Das Redaktionsteam der SommerZeit mit acht Ausflugstipps ganz in Ihrer Nähe: Kathrin Becker Markus Harmann Robert Boecker Sagenhafter Sagenweg Schlucht des Teufels Wandern mit Wundern www.siebengebirge.com www.lindlar-touristik.de www.dinopark-teufelsschlucht.de S agen, edle Grafen und Naturromantik bietet der Rundwanderweg, der in Reimerzhoven startet. Über ein kurzes Stück auf dem Rot- weinwanderweg geht es zunächst zur Ruine der Burg Are. Hier thronten die mächtigen Grafen Are und Hochstaden. Nach herrlichem Ausblick von dieser ehemals stattlichen Höhenburg führt die Wanderung von Altenahr weiter nach Altenburg und bergauf über einen schmalen Pfad zum Teufelsloch, das durch Familienknatsch des Teufels mit seiner Groß- mutter entstanden sein soll. Wieder bergab geht es in eine Welt wildromantischer Natur, das herrliche Langfigtal entlang der Ahr, und dann wieder zurück nach Reimerzhoven. Diese Wanderung ist wie eine Reise durch wohltu- ende Landschaftsbilder und Natur pur, die einen noch Tage darauf begeistert. D as Wasserschloss Dyck gehört zu den schönsten barocken Schlossanlagen des Rheinlandes. Mit seiner fast 1000-jährigen Geschichte, erstmals wurde es 1094 in einer Urkunde des Erzbischofs zu Köln erwähnt, lädt es ein, die Seele baumeln und den All- tag hinter sich zu lassen. Der große Schlossgarten präsentiert sich als Englischer Landschaftspark mit uralten und seltenen Baumbeständen. Bei einem ausgedehnten Spaziergang im Park entdeckt man nicht nur eine wunderschöne Blumenvielfalt, sondern wird auch für den eigenen Garten inspiriert. Für die jüngsten Besucher stehen ein Labyrinth-Spielplatz und ein Seil- und Klettergarten für Abenteuer bereit. Auch sollte man sich einen Blick ins Innere des Schlosses nicht entgehen lassen. Einige Räume im Ostflügel sind zu besichtigen und zeigen die ganze Rokoko-Pracht der Familie zu Salm-Reiffer- scheidt-Dyck. W er nicht weiß, was sich direkt an der Straße zwischen Mechernich und Satzvey im sogenannten „Mecherni- cher Wald“ verbirgt, fährt einfach vorbei. Nur ein unscheinbares Schild deutet auf den Parkplatz bei Katz- vey, von dem man in wenigen Gehminuten ein beein- druckendes Naturschauspiel erreicht, bestaunen und erklettern kann: die Katzensteine, eine zum Teil zehn Meter hohe Felsformation aus Buntsandstein, rund 220 Millionen Jahre alt. Ein bisschen „Winnetou-Gefühl“ kommt auf, wenn man die rötlich schimmernden Felsen besteigt (ist mit normalem Schuhwerk möglich) und die Ursprünglichkeit des Ortes auf sich wirken lässt. Für Kinder sind die Katzensteine ein wahres Versteck-, Kletter- und Spielepa- radies, und ich fühle mich immer einen Moment lang wie Old Shatterhand – nur ohne Henrystutzen. W andern, Fahrrad fahren, spazieren gehen, auf welchemWeg man ihn auch erreicht – amWallfahrtsort Altenberg gibt es immer Neues zu entde- cken. Eine der Besonderheiten des ehemaligen Zisterzienserklosters ist, dass der Altenberger Dom seit 1857 als Simultankirche sowohl evangelische als auch katholische Christen beherbergt, um Gottesdienste zu feiern. 1133 wurde er bei Odenthal gebaut – an welchem Fleckchen der unberührten Natur im Dhünntal, hat, wenn die Legende stimmt, ein Esel gewählt. Tierdar- stellungen sind in jedem Detail, auf Fenstern und Kapitellen zu finden. Die Natur um das Haus Altenberg bietet Erholung, drinnen Gemeinschaft, Glaube und Leben. Als „Jugenddom“ ein Ort von kirchlicher Jugendarbeit, Veranstal- tungen wie dem „Altenberger Licht“, Seelsorge, (Kirchen-)Musik und Kunst. Wer ihn kennt, liebt den Altenberger Dom-Laden, Kinder den Märchenwald in der Nähe. Und warum beispielsweise die schmucken Kirchenfenster bei einem Chemieunfall zu Bruch gingen, erfährt man bei einer Führung durch den gotischen Dom. Udo Wallraf Pia Modanese Martin Mölder Kathi Geiger Birgitt Schippers Mystik im Wald Natur trifft Kunst Ruine und Märchen Schloss mit Park www.stiftung-schloss-dyck.de www.pilger-pfade.de/278 www.eifel.info/a-katzensteine-roemischer-steinbruch www.inselhombroich.de www.mehr-auszeit.de Winnetous Felsen Warum in die Ferne schweifen ... E s ist eine verwunschene Seenlandschaft mit Wiesen, kleinen Wäldchen und ungewöhnlichen Bauwerken, die Museumsinsel Hombroich bei Neuss. Über Holzbrü- cken, kleine und große Pfade geht der Weg durch eine meist naturbelassene Landschaft, die mit unzähligen Skulpturen harmonisch verschmilzt. Hinter jeder kleinen Wegkrümmung wartet eine neue Überraschung. Spannend der offene Kunst- raum mit den hochpolitischen Skulpturen des Künst- lers Anatol Herzfeld, von Wind und Wetter gegerbt. Monumentale Backsteinbauten stehen amWegesrand mit hohen Glastüren, die in architektonisch faszinierende Innenwelten geleiten. Manche sind leer, andere bieten Kunst- werken von zum Teil berühmten Künstlern wie Lovis Corinth oder Hans Arp einen Anschauungsraum. Es ist eine außergewöhnlich schöne Erfahrung – Natur und Kunst werden eins. Mit Neugier im Gepäck und Lust auf abwegige Umwege ist die Museumsinsel Hombroich auch für Familien ein Erlebnis. www.altenberger-dom.de

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