SommerZeit 2022

49 Gebäude ansonsten. Mit Wissen um die Geschichte der Abtei erinnert vieles an den berühmten Roman „Der Name der Rose“ des Italieners Umberto Eco. Wer weiß heute schon, was unter der „Zwietracht der Mönche“ zu verstehen ist? Die letzten Mönche verließen Mitte des 19. Jahrhunderts den Ort. Zum Besitz der Abtei gehörte auch das einige Kilometer entfernt liegende Örtchen Ferentillo am Eingang des engen Tals der Nera. Zwei mächtige Festungen rechts und links des Tals sicherten die Straße vor Räubern und anderem unwillkommenen Volk. So wild der Fluss an manchen Stellen ist, so unwirklich und unzugänglich war jahrhundertelang das enge Tal. Trotz der Befesti- gungen und der stationierten Soldaten kam es immer wieder vor, dass Reisende unterwegs überfallen und ermordet wurden. Verstorbene hinter Glas Wer bei der jungen Kunsthistorikerin am Eingang der Abteikirche eine Eintrittskarte erwirbt, der wird freundlich auf die Möglichkeit hinge- wiesen, ein vergünstigtes Kombiticket für das Museum unterhalb der St.-Stephanus-Kirche in Ferentillo zu erwerben, das, wie auch die Abtei, Eigentum der Kommune Ferentillo ist. Mumien seien dort zu sehen, lautet ihre Antwort auf die Frage, was in diesem Museum gezeigt werde. „Jesus hat gesagt: Ich bin die Auferstehung und das Leben“ liest man auf dem Schild über der schmalen Tür unterhalb der Kirche, die ins Museum führt. In der Krypta, einem rund 25 Meter langen Raum, der durch zwei tief liegende Fenster erleuchtet wird, sind in gläsernen Vitrinen Mumien ausgestellt. Der permanente Luft- zug in Verbindung mit einem speziellen Pilz hat die unter der Kirche Bestatteten innerhalb relativ kurzer Zeit mumifizieren lassen. Dieser Prozess vollzog sich oft so schnell, dass Kopf- und Barthaare erhalten blieben. Nicht allein die Mumifizierung ist das Besondere: Von vielen Verstorbenen kennt man die Lebensgeschichte und die Umstände ihres Todes. So eben auch die des Mörders, dem der Strick das Genick gebrochen hat. Nach dem Besuch dieses Museums verstärkt sich das unbestimmte Gefühl, in einer sehr schönen, aber auch irgendwie unheimlichen Region Italiens unterwegs zu sein. ✿ www.mehr-auszeit.de Ende des 12. Jahrhunderts sind die Fresken in der Abteikirche entstanden. Sie zählen zu den bedeutendsten ihrer Art in Italien. Gruselig ist der Besuch des Museums unter der Pfarrkirche des nur wenige hundert Meter entfernten Ortes Ferentillo. Hier werden mumifizierte Körper aus mehreren Jahrhunderten gezeigt.

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